KI und die USG-Revision verändern die Schweizer Recyclingbranche

6      02.02.2026

Medienmitteilungen   ––   Fachbeiträge   ––   Veranstaltungen   ––   Kreislaufwirtschaft   ––   Recycling   ––   Firmen   ––   Gemeinden & Sammelstellen

Der Recyclingkongress 2026 ist bereits wieder Geschichte und kann sich mit fast 380 Teilnehmenden als grössten Event der Recyclingbranche bezeichnen. In diesem Jahr standen nicht nur die Umweltschutzgesetzt (USG)-Revision und die nötigen Rahmenbedingungen für eine Vorbereitung zur Wiederverwendung von Elektrogeräten im Fokus, sondern auch inwiefern künstliche Intelligenz die Recyclingbranche verändert. Das Rennen um den begehrten Circular Award machte mit Evolium Technologies SA ein Start-Up aus Sion.

Nach monatelanger Vorbereitung war es am 30. Januar 2026 wieder so weit: Nach dem traditionellen Networkingabendessen am Vorabend wurde der Kongress von Viviane Pfister,
Co-Geschäftsleiterin Swiss Recycle, und Isabelle Baudin, Projektleiterin Kreislaufwirtschaft des Schweizerischen Verbands Kommunale Infrastruktur (SVKI), zweisprachig eröffnet. 

Gemeinsam mit Christine Wiederkehr-Luther, Präsidentin von Swiss Recycle, als auch Marco Sonderegger, Präsident des Schweizerischen Verbands Kommunaler Infrastrukturen (SVKI), betonten sie, wie wichtig der Austausch von Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette für die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz ist. Dieser soll mit Netzwerkplattformen wie dem Kongress gefördert werden, den die beiden Organisationen deshalb gemeinsam veranstalten.

Wo steht die Schweiz in Sachen Vorbereitung zur Wiederverwendung?

Im ersten Themenblock «Politische Rahmenbedingungen» zeigte Christiane Wermeille vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf, welche nächsten Schritte im Rahmen der USG-Revision bevorstehen, um die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz zu fördern. Aktuell befindet sich das Verordnungspaket 20 in der Vernehmlassung. Dieses enthält unter anderem Kriterien für die Anerkennung von Branchenorganisationen.

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in der EU wird die Kreislaufwirtschaft regulatorisch stark vorangetrieben. Wojtek Sitarz von der EU-Kommission gab in seinem Fachinput einen Überblick über aktuelle Entwicklungen rund um die Reparierbarkeit von Produkten.

Ein zentrales Highlight am Vormittag war das Podium zur Vorbereitung zur Wiederverwendung von Elektroaltgeräten. Die Diskutierenden Jon Fanzun von Swico Recycling, Pasqual Zopp von SENS eRecycling, Sabine Krattiger von Immark, Christian Jordi vom SVKI sowie Björn Jung von Thermoplan waren sich einig: Es braucht geeignete Rahmenbedingungen, Ansätze bereits im Design, mehr Sensibilisierung sowie eine stärkere Sichtbarmachung laufender Projekte im Bereich Reuse.

Das Potenzial für Wiederverwendung sei vorhanden – allerdings vor allem bei bestimmten Gerätekategorien. Klar sei zudem: Nur die Zusammenarbeit aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette könne funktionierende Systeme ermöglichen. Uneinigkeit bestand jedoch bei der Frage der Finanzierung, wie es Moderatorin Rahel Ostgen von Swiss Recycle zum Schluss auf den Punkt brachte: Soll die Vorbereitung zur Wiederverwendung durch den Markt getragen werden oder braucht es neue Finanzierungsmechanismen?

Künstliche Intelligenz: Chancen, Voraussetzungen und Grenzen

Der zweite Themenblock widmete sich der Frage, wo die Recyclingbranche beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz steht.

In seinem Input gab Bernd Meyer der Branchenvereinigung deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen einen Einblick, wie KI bereits heute in Sortieranlagen, bei der Erkennung von Fehlwürfen wie Batterien oder zur Effizienzsteigerung eingesetzt wird. Gleichzeitig brauche es klare Handlungsfelder und Voraussetzungen, damit KI wirksam genutzt werden kann – etwa Datenqualität, geeignete Infrastruktur und individuelle Lösungen, da jede Anlage wieder anders ist.

Im anschliessenden Podium diskutierten Branchenvertretende aus Praxis, Technologie und Entsorgungswirtschaft, wie KI künftig eingesetzt werden kann und soll. Die Teilnehmenden betonten übereinstimmend:

  • Die Branche darf den Anschluss nicht verlieren.
  • KI kann Effizienz und Qualität des Recyclings deutlich steigern.
  • KI ist jedoch keine alleinige Lösung, sondern Teil eines Gesamtsystems, das auch mechanische und organisatorische Komponenten umfasst.
  • Der Faktor Mensch darf nicht vergessen werden.

Der Kongress zeigte damit eindrücklich: Digitalisierung wird ein Schlüsselthema der kommenden Jahre bleiben – aber immer eingebettet in realistische, umsetzbare Prozesse.

Am Nachmittag bot der «Marktplatz» erneut eine inspirierende Auswahl an Kurzvorträgen und Praxisbeispielen – von Digitalisierung auf Sammelstellen über das Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibungen bis zu Theater als Sensibilisierungsmittel bei Kindern und den Resultaten der Schweizer Littering-Studie der IG Saubere Umwelt (IGSU). Ergänzt wurde dieser Teil durch ein Expertengespräch zur zunehmenden Belastung des Grünguts durch Fremdstoffe wie Plastik.

Evolium Technologies SA gewinnt den Circular Award 2026

Anschliessend gehörte die Bühne des Recyclingkongress 2026 ganz den drei Finalist:innen des Circular Awards 2026. Die innovativen Projekte «Textile Innovationen» von CLIMATEX AG, «Zirkuläre Lithiumionenakkus» von Evolium Technologies SA und «Zementfreier Beton» von KIBAG haben sich gegen 20 Konkurrent:innen durchgesetzt und kämpften im Finale in Biel um die begehrte Auszeichnung.

In diesem Jahr geht der Circular Award an Evolium Technologies SA mit Sitz in Sion. Die industrielle Lösung des Unternehmens zur Wiederaufbereitung von Lithium-Batterien, die diesen ein zweites Leben in Photovoltaik-Speichersystemen ermöglicht, hat sowohl die Fachjury als auch das Publikum beim finalen Voting überzeugt.

Besonders die Reparierbarkeit der Batteriesysteme sowie die langfristige Kapazitätsgarantie fanden grosse Beachtung, gerade auch vor dem Hintergrund einer Kreislaufwirtschaft, die in der Energiewende eine immer zentralere Rolle einnimmt.

«Der Gewinn des Circular Award ist für uns sowohl eine Auszeichnung als auch eine wichtige Anerkennung durch die Branche. Unsere Lösung ist bereits im Markt im Einsatz und zeigt, dass sich mit reparierbaren und kapazitätsgarantierten Solarspeichern lokale Wertschöpfung schaffen lässt – hier in der Schweiz. Diese Auszeichnung bestärkt uns darin, den Einsatz unserer Lösung weiter auszubauen und ihre Wirkung zu verstärken.», meint Alexandre Staub, Gründer und CEO von Evolium Technologies.

Weitere Infos zum Kongress finden Sie unter www.recyclingkongress.ch

Medienkontakt

Viviane Pfister                                                                        
Co-Geschäftsleiterin                            
T 044 342 20 00                                                                                             
viviane.pfister.dont-like-spam@ich-will-kein-spam.swissrecycle.ch

Ansprechpartner bei Evolium Technologies

Alexandre Staub
Gründer und Geschäftsführer
alexandre.staub.dont-like-spam@ich-will-kein-spam.evolium.ch

Medienmitteilung

Pressebilder

Haben Sie den Recyclingkongress 2026 verpasst?


Kein Problem - bestellen Sie jetzt die Videoaufzeichnung für CHF 165 und erleben Sie den gesamten Kongress auf Ihrem Bildschirm nochmals. 

Jetzt Videoaufzeichnung bestellen

Loading ...