Vielfältige Wege für Recyclingglas

0      14.10.2026

Magazin 2026   ––   Fachbeiträge   ––   Kreislaufwirtschaft   ––   Recycling   ––   Firmen   ––   Gemeinden & Sammelstellen

Altglas möglichst in der Schweiz halten und als wertvollen Rohstoff nutzen: Schweizer Glasverwerter zeigen, wie innovative Kreislauflösungen dazu beitragen.

Dämmstoffe, Bauschotter oder Wasserfilter – auch wenn in der Schweiz aus Altglas keine neuen Flaschen mehr hergestellt werden, bleibt das Material ein wichtiger Sekundärrohstoff. Unternehmen wie Isover, Misapor und Dryden Aqua zeigen, wie Glasabfälle lokal verwertet werden und mit Innovationen zur Stärkung des Produktionsstandorts Schweiz beitragen. Gleichzeitig entwickelt Vetropack neue Technologien für leichtere und langlebigere Mehrwegflaschen.

Lokale Kreisläufe und energieeffiziente Produktion

Isover verarbeitet seit 1937 Glas zu Dämmstoffen und ersetzt seit 1993 den ursprünglich verwendeten Sand vollständig durch Recyclingglas. Das Altglas stammt möglichst aus der Region und wird hauptsächlich über spezialisierte Glassortierer bereitgestellt. Da nicht immer genügend hochwertiges Material verfügbar ist, müssen Importe erfolgen. Glaswolle ist besonders langlebig und behält ihre Eigenschaften über Jahrzehnte. Ein Kreislaufsystem für Dämmstoffe besteht bereits heute. Herausforderungen bleiben die sortenreine Erfassung sowie Rückbau, Logistik und Aufbereitung. Im Werk setzt Isover auf Strom aus Wasserkraft und einen ressourcenschonenden Produktionsprozess. Die für die Herstellung geringe benötigte Wassermenge zirkuliert nahezu vollständig in einem geschlossenen Kreislauf. Gleichzeitig wurde die Dämmleistung verbessert, ohne mehr Material einzusetzen – ein Beitrag zur langfristigen Sicherung des Produktionsstandorts Schweiz.

Altglas als Baustoff

Misapor produziert aus Altglas Schaumglasschotter für den Hoch-, Infrastruktur- und Gartenbau. Das Material besteht fast vollständig aus Sekundärrohstoffen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Senkung des Energieverbrauchs: Wärmerückgewinnung, besser isolierte Ofenanlagen und eine optimierte Rezeptur reduzieren den Energiebedarf künftig um rund 23 Prozent. Zudem soll durch die Nutzung von Abwärme der Gasverbrauch für die Trocknung der Glasscherben entfallen.

Auch kurze Transportwege sind entscheidend. Rund 30 Prozent des CO2-Fussabdrucks des Unternehmens entstehen in der Logistik. Deshalb wird Altglas möglichst regional beschafft. Gleichzeitig profitieren Gemeinden von stabilen Absatzmöglichkeiten für ihre gesammelten Glasscherben.

Quelle: Isover
Quelle: Misapor
Quelle: DrydenAqua
Quelle: Vetropack

Wasserfilter aus Altglas Dryden

Aqua stellt aus Glasscherben Filtermaterial für Schwimmbäder sowie die Trink- und Abwasseraufbereitung her. Die Produktion wird grösstenteils mit Strom aus der eigenen Photo-voltaikanlage betrieben. Für die Reinigung der Glasscherben nutzt das Unternehmen gesammeltes Regenwasser, das auf der 10’000 m² grossen Dachfläche des Unternehmens ge- sammelt und in Tanks gespeichert wird. Erdgas wird nur noch für die Trocknung benötigt, wobei der Biogasanteil laufend steigt.

Die Materialeigenschaften von Glas verbessern zudem die Filterleistung: Metalloxide in farbigem Glas binden Schmutzpartikel besonders effizient und reduzieren den Einsatz von Chemikalien wie Chlor. Nicht verwendbare Glasfraktionen werden an andere Verwerter weitergegeben und bleiben im Materialkreislauf.

Leichtere und langlebigere Mehrwegflaschen

Vetropack hat ein Verfahren entwickelt, das Mehrwegflaschen durch thermische Härtung robuster und zugleich deutlich leichter macht. So sind bis zu 20 Prozent mehr Umläufe möglich, während das geringere Gewicht Rohstoffe spart, Transportemissionen reduziert und den CO2-Ausstoss einer 0,33-Liter- Mehrwegflasche auf etwa ein Viertel senkt. Die Innovation stärkt die Kreislaufwirtschaft und den Industriestandort Schweiz.

Entscheidend ist das Gesamtsystem

Die vom BAFU unterstützte Studie zur Ökobilanz der Schweizer Getränkebranche zeigt, dass es keine ökologisch beste Verpackung für alle Getränke gibt. Verpackungen erfüllen wichtige Funktionen wie Schutz, Logistik und Information und müssen daher je nach Getränk unterschiedlich bewertet werden. Umweltvorteile bieten vor allem leichte, grossvolumige oder mehrfach nutzbare Verpackungen. Gleichzeitig bestehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Potenziale zur Reduktion der Umweltauswirkungen. Entscheidend ist, Inhalt und Verpackung gemeinsam zu betrachten: Im Durchschnitt entfallen 87 Prozent der Umweltbelastung auf die Herstellung des Getränks und nur 13 Prozent auf die Verpackung.


Mehr erfahren über die Vereinigung Schweizer Glasverwerter


Die Vereinigung Schweizer Glasverwerter vereint Unternehmen mit Sitz und/ oder Produktion in der Schweiz, die ökologisch wertvolle Produkte aus Altglas herstellen. Gemeinsam setzen sie sich für eine ressourcenschonende, nach- haltige und sichere Glasverwertung ein.

Die Vereinigung vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Behörden und Politik und fördert eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Dabei stehen kurze Verwertungswege, die ökologisch wertvolle Verwertung vom Schweizer Altglas, sowie die Entsorgungssicherheit für Gemeinden und Städte im Zentrum.

Mitglieder der Vereinigung Schweizer Glasverwerter:

DrydenAqua
Isover
Misapor
Vetropack

Loading ...